Bordereau-Abrechnung: Wie Assekuradeure gegenüber dem Risikoträger abrechnen
assfinet Redaktion · 24. Juli 2026
Ein Assekuradeur – international Managing General Agent (MGA) – zeichnet Risiken mit Vollmacht eines Versicherers. Diese Vollmacht bringt eine Pflicht mit sich: Der Risikoträger muss jederzeit wissen, welches Geschäft in seinem Namen gezeichnet wurde und welche Zahlungsströme daraus folgen. Das Instrument dafür ist das Bordereau.
Was das Bordereau leistet
Das Bordereau fasst eine Abrechnungsperiode zusammen und ist gleichzeitig Meldung und Abrechnung. Aus ihm ergibt sich, welcher Betrag zwischen Assekuradeur und Risikoträger fließt: die eingenommenen Prämien abzüglich der vereinbarten Vergütung des Assekuradeurs, korrigiert um Stornierungen, und – je nach Vereinbarung – verrechnet mit regulierten Schäden.
In der Praxis werden zwei Formen unterschieden:
- Prämienbordereau – gezeichnete Verträge, gebuchte Prämien, Steuer, Provisionen, Stornierungen
- Schadenbordereau – gemeldete Schäden, Zahlungen, Reserven und Regresse je Schadenfall
Woran Bordereau-Prozesse scheitern
Das Bordereau ist technisch anspruchsvoll, weil es auf drei Datenbestände gleichzeitig zugreift: Bestand, Inkasso und Provisionsbuchhaltung. Typische Problemstellen:
Getrennte Systeme. Wenn Bestandsführung und Abrechnung in verschiedenen Systemen liegen, entsteht das Bordereau in einer Tabelle. Jede Korrektur muss dann an zwei Stellen nachgezogen werden – und Differenzen fallen erst auf, wenn der Risikoträger nachfragt.
Fehlende Vertragshistorie. Ein Bordereau bezieht sich auf einen Vertragsstand zu einem Stichtag. Ohne historische Vertragsbilder lässt sich eine abgeschlossene Periode nachträglich nicht mehr belegen – ein Problem spätestens bei der Prüfung.
Individuelle Formate. Jeder Risikoträger verlangt eigene Felder, Zeitschnitte und Dateiformate. Wer je Vertragspartner ein separates Verfahren pflegt, skaliert nicht.
Storno und Rückläufer. Rückabwicklungen wirken auf Prämie, Steuer, Vermittlerprovision und Bordereau gleichzeitig. Werden sie nur an einer Stelle gebucht, laufen die Salden auseinander.
Was das für die Systemwahl bedeutet
Entscheidend ist, ob Abrechnung ein eigener Verarbeitungsschritt im System ist oder eine Auswertung darüber. Läuft die Kette vom Geschäftsvorfall über Prämien- und Provisionsbuchung bis zur Periodenabrechnung in einem Datenmodell, ist das Bordereau ein Lauf und kein Projekt. Ein Rechnungswesen, das nach IDW PS 880 zertifiziert ist, liefert zusätzlich die Grundlage, auf die Wirtschaftsprüfer ihre Softwarebescheinigung stützen.
In ams6 entstehen die Buchungssätze automatisch aus dem Vorgang; Inkasso, Courtageverteilung und Bordereau greifen auf denselben Bestand zu. Mehr dazu unter Abrechnung für Produktgeber und im Grundlagenartikel Was ist ein MGA?.
Häufige Fragen
Was ist eine Bordereau-Abrechnung?
Das Bordereau ist die periodische Sammelabrechnung, mit der ein Assekuradeur dem Risikoträger die gezeichneten Verträge einer Periode meldet und Prämien, Provisionen sowie Schäden abrechnet. Es ist kein Bericht, sondern ein Buchungsvorgang mit Zahlungsfolge.
Welche Angaben enthält ein Bordereau?
Üblich sind Vertrags- und Risikodaten je Police, gebuchte Brutto- und Nettoprämie, Versicherungssteuer, die vereinbarte Provision des Assekuradeurs, Stornierungen und Rückläufer sowie – im Schadenbordereau – Zahlungen und Reserven je Schadenfall.
Wie oft wird ein Bordereau erstellt?
Das regelt der Zeichnungsvertrag mit dem Risikoträger. Verbreitet sind monatliche oder quartalsweise Abrechnungsperioden, häufig mit vertraglich fixierter Frist für Meldung und Zahlung.
Was unterscheidet ein Bordereau von einer Courtageabrechnung?
Die Courtageabrechnung geht an angeschlossene Vermittler und verteilt Provisionen nach unten. Das Bordereau geht an den Risikoträger und rechnet Prämien und die eigene Vergütung nach oben ab. Beide Vorgänge müssen aus demselben Datenbestand entstehen, sonst weichen sie voneinander ab.