No-Code-Produktkonfiguration: Versicherungsprodukte ohne Entwicklungsprojekt
assfinet Redaktion · 24. Juli 2026
Die Entwicklung eines neuen Versicherungsprodukts scheitert selten an der fachlichen Idee. Sie scheitert an der Reihenfolge: Fachkonzept, Priorisierung, Entwicklung, Test, Release. Für Spezialsparten mit kleinen Beständen rechnet sich dieser Weg oft nicht – das Produkt entsteht dann gar nicht.
No-Code-Produktkonfiguration verschiebt diesen Ablauf. Der Fachbereich baut das Produkt selbst; die IT verantwortet den Rahmen, in dem er das tun darf.
Die drei Bausteine
Maske und Antragsstrecke. In einem Designer werden Felder, Abschnitte, Sichtbarkeitsregeln und Validierungen zusammengestellt. Entscheidend ist die Bindung an das Datenmodell: Wenn jedes Feld einem Fachobjekt entspricht, entfällt das Mapping-Projekt zwischen Antragsstrecke und Bestandsführung – und Daten werden nicht doppelt erfasst.
Tariflogik. Die Kalkulation liegt in vielen Häusern in Excel, gepflegt von Aktuaren. Wird diese Datei als Definitionsquelle eingebunden und versioniert ausgeführt, bleibt die Verantwortung für den Tarif dort, wo die fachliche Kompetenz sitzt. Ein Nachbau der Logik im Code entfällt – mitsamt der Fehlerquelle, die jeder Nachbau darstellt.
Fachliche Bausteine. Versicherungsprodukte brauchen mehr als Textfelder: Adressvalidierung, Zonierung von Elementarrisiken, Regionalklassen, Kfz-Kennzeichen, IBAN-Prüfung, HSN und TSN zur Fahrzeugidentifikation. Ob diese Bausteine vorhanden sind, entscheidet darüber, wie fachtief ein konfiguriertes Produkt tatsächlich werden kann.
Governance: der eigentliche Prüfstein
No-Code beschleunigt Änderungen. Ohne Kontrolle beschleunigt es auch Fehler. Ein tragfähiges Setup verhält sich deshalb wie eine Entwicklungsumgebung:
- Versionierung jeder Änderung mit Kommentar, Zeitstempel und Bearbeiter
- Rollback auf eine frühere Version ohne Beteiligung der IT
- Getrennte Rechte für Bauen, Ändern und Veröffentlichen
- Testlauf vor der Freigabe, mit denselben Daten wie im Betrieb
Erst diese Kombination macht die Geschwindigkeit belastbar: Eine Korrektur am Vormittag und die Veröffentlichung am Nachmittag sind dann kein Risiko, sondern ein normaler Arbeitsvorgang.
Wirkung auf die Distribution
Ein konfiguriertes Produkt entfaltet seinen Nutzen erst, wenn alle Vertriebswege dieselbe Definition verwenden – anonymer Web-Rechner, Kundenportal, Vermittlerportal und maschinelle Schnittstelle. Andernfalls entsteht je Kanal eine eigene Rechnerlandschaft, und eine Tarifänderung wird wieder zum Projekt.
Wie das in der Praxis aussieht, beschreibt die Produktfabrik für Produktgeber; die Kanalseite dazu ist unter Vertriebswege beschrieben.
Häufige Fragen
Was bedeutet No-Code in der Versicherungs-IT?
No-Code beschreibt Werkzeuge, mit denen Fachanwender Produkte, Eingabemasken und Regeln über eine Oberfläche konfigurieren, statt sie programmieren zu lassen. Die Konfiguration wird vom System interpretiert und produktiv ausgeführt.
Wie kommt die Tariflogik in ein No-Code-Produkt?
Verbreitet ist die Nutzung der bestehenden Excel-Tarifierung als Definitionsquelle: Die Kalkulationsdatei wird eingebunden, versioniert und im Betrieb ausgeführt. Aktuare arbeiten damit weiter in ihrer gewohnten Umgebung, ohne dass die Logik nachprogrammiert wird.
Wie verhindert man Fehler, wenn Fachbereiche selbst veröffentlichen?
Über dieselben Mechanismen wie in der Softwareentwicklung: Versionierung jeder Änderung mit Bearbeiter und Zeitstempel, Rücksetzen auf eine frühere Version, getrennte Rechte für Bearbeiten und Veröffentlichen sowie Testläufe vor der Freigabe.
Was bedeutet Fachobjekt in diesem Zusammenhang?
Ein Fachobjekt ist ein Eingabeelement, das direkt an ein Feld des Datenmodells gebunden ist – etwa Partner, Vertrag oder Vertragssparte. Anders als ein Freitextfeld muss es nicht nachträglich auf den Bestand abgebildet werden.