Lexikon

BiPRO 430.4: Bestandsdaten in UC1, UC2 und UC4

assfinet Redaktion · 25. Juli 2026

Norm 430.4 definiert die Übermittlung vertragsbezogener Geschäftsvorfälle zwischen Produktgeber und Vertriebspartner. Sie ist die Norm mit der größten fachlichen Bandbreite, weil sie mehrere Use Cases umfasst – von der reinen Bestandslieferung bis zur digitalen Maklerpost.

Nachricht statt Datei

Im Vergleich zum weit verbreiteten GDV-Datensatz, der die Daten in einer Datei speichert, werden die Daten bei 430.4 innerhalb einer technischen Nachricht ausgetauscht. Sie können so direkt vom empfangenden System verarbeitet werden, ohne dass zuvor eine Datei gespeichert und anschließend importiert werden muss.

Die Use Cases

  • UC1 – Komplettbestand zum Stichtag: nur Vertragsdaten, keine Dokumente. Typischer Einsatz: Erstbefüllung und periodischer Abgleich.
  • UC2 – Änderungsbestand zum Stichtag: nur Vertragsdaten, keine Dokumente. Übertragen wird, was sich seit der letzten Lieferung geändert hat.
  • UC4 – geschäftsvorfallbezogene Lieferung: Dokumente und Vertragsdaten, geliefert zum Zeitpunkt des Geschäftsvorfalls – also zusammen mit Police oder Nachtrag und nicht erst zum nächsten Stichtag.
  • UC6 – Maklerpost: geschäftsvorfallbezogene Lieferung von Dokumenten und Zuordnungsdaten, siehe Maklerpost 430.4 UC6.

Schaden- und leistungsbezogene Geschäftsvorfälle sind nicht Teil der 430.4, sondern Gegenstand der Norm 430.5.

Voraussetzungen

UC4 wird über con:center verarbeitet und benötigt keine weitere Konfiguration. Für die Verarbeitung der Bestandsdaten aus UC1, UC2 und UC4 gilt darüber hinaus:

  • Nutzung von assfinet cloud und assfinet data dokumente
  • Nutzung von ams6
  • teilweise zusätzliche Freischaltung der Lieferung beim Produktgeber für den jeweiligen Benutzer

Sind die Voraussetzungen erfüllt, werden die Daten aller abgerufenen Produktgeber verarbeitet – soweit der Produktgeber sie liefert.

Wie die Daten zusammengeführt werden

Bestandsdaten aus der Nachricht sind die Voraussetzung für Dunkelverarbeitung – also für Vorgänge, die ohne manuelles Zutun im Bestand landen. Die Zusammenführung folgt dabei klaren Regeln:

  • Kundendaten werden angereichert: eigene Daten bleiben erhalten, leere Felder werden aus der Lieferung gefüllt. Neue Kunden legt das System nicht automatisch an.
  • Vertrags-, Allgemein- und Spartendaten werden zusammengeführt, wobei der Produktgeber überschreibt – damit Werte wie Ablauf oder Prämie aktuell sind. Manuell gepflegte Felder, die nicht geliefert werden, bleiben erhalten.
  • Die automatisierte Neuanlage von Verträgen ist über die Geschäftsvorfall-Regel steuerbar.
  • Für die Standardsparten liegt ein Mapping vor. Stimmt die gelieferte Sparte nicht mit der Sparte im System überein, werden nur die allgemeinen Vertragsdaten geschrieben.

Praktisch heißt das: Der Abgleich zwischen Versicherer- und Maklerbestand wird zur Auswertung von Abweichungen statt zur manuellen Nachpflege.

Welche Produktgeber welche Use Cases bereitstellen, zeigt die Anbindungsübersicht.

Häufige Fragen

Was unterscheidet UC1, UC2 und UC4?

UC1 liefert einen Komplettbestand zum Stichtag, UC2 einen Änderungsbestand zum Stichtag – beide ausschließlich Vertragsdaten, keine Dokumente. UC4 liefert geschäftsvorfallbezogen: Dokumente und Vertragsdaten zum Zeitpunkt des Geschäftsvorfalls.

Ersetzt BiPRO 430.4 den GDV-Datensatz?

Nicht zwingend. Der GDV-Datensatz speichert die Daten in einer Datei, die geladen und importiert werden muss. Bei 430.4 werden die Daten innerhalb einer technischen Nachricht ausgetauscht und können direkt vom empfangenden System verarbeitet werden. Beide Wege werden weiterhin parallel genutzt.

Muss die Lieferung beim Produktgeber freigeschaltet werden?

Für UC1, UC2 und UC4 teilweise ja: Die Lieferung muss beim Produktgeber zusätzlich für den jeweiligen Benutzer aktiviert werden. Ansprechpartner ist der Maklerbetreuer des Produktgebers.

Werden Kunden und Verträge automatisch neu angelegt?

Kunden werden nicht automatisch neu angelegt; bestehende Daten bleiben erhalten und werden um gelieferte Felder ergänzt. Bei Vertragsdaten überschreibt der Produktgeber, damit Werte wie Ablauf oder Prämie aktuell bleiben. Die automatisierte Vertragsneuanlage ist über die Geschäftsvorfall-Regel steuerbar.